Vorher ein Wort zu Jacke und Schuhen
Nass werden ist nicht das Problem. Kalt werden ist eins. Eine Jacke, die dicht ist, Schuhe, die nass werden dürfen, und etwas Trockenes für danach. Mehr Ausrüstung braucht es nicht, und niemand muss sich dafür etwas kaufen. Der Regenschirm ist Geschmackssache: Er hält den Kopf trocken und nimmt dir eine Hand und das halbe Blickfeld.
Während es regnet
- Weil es regnet, nicht obwohl. Geh einen Kilometer, weil es regnet. Sonst ist niemand draußen, der Gehweg gehört dir, und die Stadt klingt anders, wenn der Verkehr auf nasser Straße fährt. Der Unterschied zwischen weil und obwohl ist die ganze Haltung.
- Die überlaufende Rinne. Such ein Fallrohr oder eine Dachrinne, aus der das Wasser schießt, und fotografiere es. Alte Häuser können das am besten. Einen Schritt zurück, sonst bist du Teil des Bildes.
- Durch die nasse Scheibe. Fotografiere durch eine Scheibe, auf der Regen steht: Bushaltestelle, Schaufenster, Autofenster. Scharf auf die Tropfen, nicht auf das dahinter. Die Stadt wird zu Farbflecken.
- Rot gegen das Grau. Füll ein Fünftel deines Bildes mit Rot, während es regnet. Schirme, Regenjacken, ein Briefkasten. An Regentagen ist Rot die Farbe, die übrig bleibt.
- Blau an einem grauen Tag. Fotografiere etwas überwiegend Blaues an einem Regentag. Nasse Flächen halten das Blau des Himmels, auch wenn er grau aussieht. Nach einem Schauer ist es am kräftigsten.
- Mit Absicht hinein. Spring mit Absicht in eine Pfütze. Nicht aus Versehen, nicht am Rand. Gummistiefel optional, Reue unwahrscheinlich.
- Der eingepackte Sattel. Fotografiere einen Fahrradsattel, über den jemand eine Plastiktüte gezogen hat. Vor Bahnhöfen stehen sie in Reihen, und jede Tüte erzählt von jemandem, der heute früh an den Regen gedacht hat.
- Viertausend Schritte im Regen. Geh viertausend Schritte, während es regnet. Die meisten bleiben drinnen, und das ist die halbe Aufgabe. Die andere Hälfte ist, nicht nach zehn Minuten umzudrehen.
Die Stunde danach
Die beste Zeit eines Regentags beginnt, wenn es aufhört.
- Boden nass, Luft klar. Sei zwischen sechs und zehn Uhr morgens draußen, während der Boden noch nass ist. Die Stunde nach dem Regen ist die beste des Tages: Staub weg, Licht sauber, alles leise.
- Schwarz unter dir. Fotografiere den Boden, wenn er überwiegend schwarz ist. Nasser Asphalt ist der schwärzeste Untergrund, den eine Stadt hat, und er hält nur, bis er trocknet.
- Die Silberspur. Such an einem feuchten Abend die glänzende Spur, die eine Schnecke über eine Mauer oder Stufe gezogen hat. Handy so kippen, dass sie glänzt. Sonst sieht man nichts.
- Schrift in der Pfütze. Such eine Pfütze, in der ein Ladenname seitenverkehrt zu lesen ist, und versuch, ihn zu lesen. Das Gehirn weigert sich länger, als du denkst.
- Wasser, wo sonst keins ist. Folg einem Rinnsal am Straßenrand bis zum Gully oder bis es verschwindet. Nach starkem Regen gibt es für eine Stunde Bäche, die auf keiner Karte stehen. Wer einen Wasserfall in der Nähe hat: jetzt, nicht im August.
Regen am Abend
- Nasser Asphalt unter Laternen. Sei zwischen sechs und zehn abends draußen, während es regnet. Jede Laterne hat unten einen Zwilling, jede Ampel läuft über den Boden. Dafür lohnt sich der Weg vor die Tür, auch nur bis zur nächsten Kreuzung.
- Regen zum Sonnenuntergang. Wenn es gegen Abend regnet und im Westen eine Lücke aufgeht, sei draußen. Grau wird für fünf Minuten golden. Nicht blinzeln, es ist schnell vorbei.
- Zwei Räume in einer Scheibe. Fotografiere abends ein beleuchtetes Fenster von außen so, dass sich die nasse Straße darin spiegelt. Draußen dunkel, drinnen Licht, dazwischen Tropfen.
Wenn es wirklich zu viel ist
Es gibt Regen, bei dem die Ideen oben keinen Sinn mehr haben: Gewitter, Sturm, Wasser auf der Straße. Dann bleibt der Regen trotzdem eine Beschäftigung. Setz dich ans offene Fenster, ohne Musik, und hör zehn Minuten zu. Oder falte ein Papierschiff und lass es in der nächsten Pfütze schwimmen, sobald es nachlässt. Wer Kinder hat, kennt das Prinzip: Regen wird erträglich, sobald man ihn als Material behandelt.
Welcher Regen für was
| Regen | Was geht | Was nicht |
|---|
| Nieselregen | Alles. Der Gehweg gehört dir. | Fotos durch die Scheibe: zu wenig Tropfen. |
| Schauer | Spiegelungen, Rinnen, Pfützen mit Absicht | Lange Strecken ohne Unterstand |
| Landregen, stundenlang | Viertausend Schritte, der Abend unter Laternen | Trockene Schuhe behalten |
| Gewitter | Fenster auf, zuhören | Draußen sein. Warten, bis es durch ist. |
Was die App damit macht
RLQuest weiß morgens, wie das Wetter wird, und vergibt die Regenquests nur dann. Wer an einem Regentag drei neue Waben auf der Karte aufdeckt, bekommt dafür eine Quest, die es an trockenen Tagen nicht gibt. Geprüft wird der aufgezeichnete Weg oder das Foto; dass es geregnet hat, wusste die App schon vorher. Jeden Morgen liegen drei bis zehn Quests bereit, ausgesucht nach Wetter, Jahreszeit, Tageszeit und deinen Interessen.
Für diese Seite brauchst du keine App, sondern Schuhe, die nass werden dürfen. Die App erinnert dich nur morgens daran, dass Regen kein Grund ist, sondern ein Anlass.