Mikroabenteuer: kleine Abenteuer vor der Haustür

Ein Mikroabenteuer ist ein Abenteuer im Maßstab eines Abends. Kein Urlaub, keine Ausrüstung, kein Wochenende, das du erst freischaufeln musst. Du gehst nach der Arbeit los und bist zum Schlafen wieder zu Hause, aber dazwischen ist etwas passiert, das du morgen noch erzählen kannst.

Die Ideen auf dieser Seite brauchen weder Geld noch Vorbereitung. Viele davon stammen aus der Quest-Bibliothek von RLQuest, die dir jeden Morgen ein paar davon vorlegt. Für heute Abend brauchst du aber keine App, nur Schuhe.

Was ein Mikroabenteuer von einem Spaziergang unterscheidet

Drei Dinge. Erstens: Du weißt vorher nicht genau, wie es ausgeht. Ein neuer Weg, ein Wetter, bei dem du sonst drinbleibst, eine Uhrzeit, zu der du sonst nie draußen bist. Zweitens: Es hat einen Rahmen. Eine Richtung, eine Zahl, eine Zeit, damit du weißt, wann es geschafft ist. Drittens: Es ist klein genug, dass du es heute machst und nicht irgendwann.

Alles Weitere ist Geschmack. Manche brauchen dafür einen Wald, anderen reicht die eigene Straße bei Nebel.

Nach Feierabend

  1. Neunzig Minuten in eine Richtung. Geh nach der Arbeit anderthalb Stunden in die Richtung, in der am wenigsten ist, und fahr mit Bus oder Bahn zurück. Wo wenig ist, kommst du in neunzig Minuten am weitesten.
  2. Der Sonnenuntergang als Termin. Sieh nach, wann die Sonne heute untergeht, und sei um diese Zeit an einer Stelle, von der du weit siehst. Im Herbst geht sie früh unter, das ist hier die gute Nachricht.
  3. Bis zur Endhaltestelle. Fahr mit einer Bus- oder Tramlinie bis zum Ende und geh ein Stück zu Fuß zurück. Wo die Linie aufhört, kennt kaum jemand die Stadt.
  4. Eine Straße ohne Erinnerung. In jedem Viertel gibt es zwei oder drei Straßen, in denen du noch nie warst. Geh eine davon ab und lies jedes Schild, jede Tafel und jeden Aushang, auch die kleinen neben den Klingeln.
  5. Losgehen ohne Ziel. Geh los, ohne zu wissen wohin, und entscheide an jeder Kreuzung neu. Die Kopfhörer bleiben zu Hause. Nach zehn Minuten fehlt dir die Musik nicht mehr.

Zu zweit

Zu zweit ist der Reiz ein anderer: Ihr seht dieselbe Sache und merkt hinterher, dass ihr etwas Verschiedenes gesehen habt.

  1. Das unbekannte Kuchenstück. Nehmt euch auf der Karte das Stück zwischen zwei Ausfallstraßen, das ihr beide nicht kennt, und lauft es an einem Abend ab. Die Ausfallstraßen kennt jeder, die Stücke dazwischen fast niemand.
  2. Frag jemanden von hier. Fragt jemanden aus der Nachbarschaft nach einem Ort, den ihr nicht kennt, und geht dorthin. Jeder hat eine Lieblingsecke und hält sie für selbstverständlich.
  3. Abendessen an einem Dienstag, draußen. Eine Bank, etwas zu essen aus der Tasche, kein Anlass. Unter der Woche fühlt es sich an wie geschenkte Zeit, weil niemand von euch damit gerechnet hat.
  4. Dem Wasser nach. Folgt einem Bach oder Fluss drei Kilometer weit. Flussaufwärts ist es meistens ruhiger, und verlaufen könnt ihr euch dabei nicht.

Allein

Allein musst du dich mit niemandem abstimmen, und niemand fragt, ob es nicht langsam reicht.

  1. Die Spirale. Fang an deiner Tür an und geh immer weitere Runden um sie herum, jede Runde eine Straße weiter außen. Hör auf, wenn die Form fertig ist, nicht wenn du es bist.
  2. Zwei Kilometer in einer Dreiviertelstunde. Langsamer, als du es für möglich hältst. Bleib überall stehen, lies die Aushänge, lass dich überholen. Die Runde kennst du, das Tempo nicht.
  3. Eine Sache über deine Straße. Finde heraus, wann sie gebaut wurde, nach wem sie heißt oder was vorher hier stand. Das Zusatzschild unter dem Straßennamen ist der einfache Weg, die Nachbarn sind der bessere.
  4. Fünf Minuten unter einem Baum. Stell dich fünf Minuten unter einen einzigen Baum und schau, was sich darin bewegt. Irgendetwas bewegt sich immer: Wind, ein Vogel, ein Blatt, das endlich loslässt.

Im Winter

Im Winter hat das Mikroabenteuer den geringsten Wettbewerb. Kaum jemand ist freiwillig draußen, und genau das macht es zu einem.

  1. Frost vor neun. Sei draußen, solange der Boden noch weiß ist. Gras knirscht, du hörst es, bevor du es siehst. Rasen im Schatten hält den Reif am längsten.
  2. Dem Rauch nach. Such auf einem Winterspaziergang den Geruch von Holzfeuer und folge ihm bis zum Schornstein. Kalte, stille Luft trägt ihn am weitesten.
  3. Zwei Kilometer durch frischen Schnee. Nimm den Weg, den noch niemand getreten hat. Auf dem Rückweg siehst du, wer außer dir inzwischen unterwegs war.
  4. Sonnenuntergang über Schnee. Der Schnee wird für zwei Minuten rosa, dann blau. Danach ist es dunkel, und du bist mit gutem Grund wieder drin.
  5. Früh dunkel, trotzdem raus. Um fünf ist es im Dezember Nacht, aber das ist keine Nachtwanderung, sondern ein verkleideter Nachmittag. Eine Runde um den Block, die du gut kennst, unter Laternen.

Ein Mikroabenteuer für jede Jahreszeit

JahreszeitIdeeWoran du merkst, dass es geklappt hat
FrühlingSei an einem Abend zwischen acht und zehn draußen, sobald es wieder so lange hell bleibt.Du vergleichst es mit vor einem Monat, als um diese Zeit längst alles dunkel war.
SommerSetz dich nach einem heißen Tag zehn Minuten auf Stein und spür die Wärme, die der Tag darin gelassen hat.Stein hält sie am längsten, Gras gibt sie schnell wieder her.
HerbstGeh viertausend Schritte unter Bäumen, die gerade Laub fallen lassen.Die Bäume haben die Arbeit gemacht, du bist nur unter ihnen durchgegangen.
WinterSei zwischen fünf und neun abends draußen, solange Schnee liegt.Es wurde nie ganz dunkel, weil der Schnee das Licht zurückwirft.

Und wozu dann eine App?

RLQuest legt dir jeden Morgen drei bis zehn solcher Aufgaben vor, je nach Tarif und danach, wie viel Zeit du eingestellt hast. Ausgesucht werden sie passend zu Wetter, Jahreszeit, Tageszeit und deinen Interessen; was nicht passt, tauschst du. Bei einer Streckenquest prüft die App den aufgezeichneten Weg, bei einer Abendquest die Uhrzeit, bei einer Fotoquest das Bild. Deine Karte füllt sich dabei in Waben von rund 350 Metern, mit jedem Weg, den du wirklich gegangen bist.

Ob du dafür eine App willst, ist Geschmackssache. Die Ideen oben funktionieren auch mit einem Zettel am Kühlschrank. Was die App dazugibt, ist der Morgen, an dem du nicht selbst überlegen musst, und der Abend, an dem jemand nachgesehen hat.

Das nächste Mikroabenteuer steht morgen früh in der App

RLQuest gibt es kostenlos für iPhone und Android. Zeit einstellen, und morgen früh liegen die ersten Quests bereit.

App Store Google Play

Noch mehr Ideen