Die Regeln
Eine Aufgabe pro Tag, in der Reihenfolge oder getauscht, wenn das Wetter nicht passt. Ein ausgelassener Tag wird nachgeholt, zwei hintereinander nicht; dann geht es einfach am nächsten weiter, ohne Schuld. Erledigt ist, was du heute Abend ohne Zögern abhaken kannst. Wo du schummeln könntest, weißt du es, das reicht. Und: Alles tagsüber oder in der Dämmerung, auf Wegen, die du kennst, nichts, was Mut braucht. Die Challenge soll den Alltag nach draußen holen, nicht ersetzen.
Woche 1: ankommen
- Tag 1: Tausend Schritte. Etwa zehn Minuten Gehen. Absichtlich klein, damit der erste Haken sicher ist.
- Tag 2: Etwas Gelbes. Fotografiere etwas, das überwiegend gelb ist. Post, Baumaschinen, Markierungen.
- Tag 3: Zehn Minuten draußen sitzen. Balkon, Treppe, Bank, ohne etwas zu tun. Das Telefon bleibt in der Tasche.
- Tag 4: Eine Straße, in der du noch nie warst. In jedem Viertel gibt es die. Geh sie einmal ab, hin und zurück.
- Tag 5: Zwischen sechs und acht abends draußen. Die Stunde, in der der Tag noch zu retten ist. Zwanzig Minuten reichen.
- Tag 6: Eine Mahlzeit im Freien. Auch auf einer Treppe, auch im Stehen.
- Tag 7: Eine Stunde unterwegs. Zu Fuß, mit Pausen. Pausen zählen mit. Kein Ziel nötig.
Woche 2: hinsehen
- Tag 8: Ein Schild ohne Worte. Finde eines, das ganz ohne Text auskommt und trotzdem klar ist.
- Tag 9: Der Gegenstand auf deinem täglichen Weg. Fotografiere etwas Gewöhnliches auf einer Strecke, die du jeden Tag gehst. Du hast es nie richtig angesehen.
- Tag 10: Zweitausend Schritte vor dem ersten Termin. Zwanzig Minuten, bevor der Tag dich hat.
- Tag 11: Nach oben schauen. Fotografiere eine Verzierung an einer Fassade über dem ersten Stock. Fast niemand tut es.
- Tag 12: Zum Sonnenuntergang draußen. Vorher nachsehen, wann, und zwanzig Minuten früher los.
- Tag 13: Drei Stücke Müll. Heb drei auf, die nicht deine sind. Nicht alles, drei.
- Tag 14: Fünf neue Straßen an einem Tag. Ein halber Vormittag in dem Teil der Gegend, den du am wenigsten kennst.
Woche 3: Wetter und Uhrzeit
- Tag 15: Draußen, während es regnet. Oder, wenn es nicht regnet: bei dem Wetter, bei dem du sonst drinbleibst. Jacke an, zwanzig Minuten.
- Tag 16: Ein Mosaik. Eine Fläche aus gesetzten Fliesen oder Mosaiksteinen. Hauseingänge, alte Bäder, Bahnhöfe.
- Tag 17: Kein Aufzug, keine Rolltreppe. Den ganzen Tag. Auch nicht der eine, bei dem es sich lohnt.
- Tag 18: Eine Runde ohne Handy in der Hand. Bildschirm zum Bein, eine halbe Stunde. Nichts darauf braucht dich.
- Tag 19: Zwischen sechs und acht morgens draußen. Zwei Stunden, die an den meisten Tagen ungenutzt vergehen.
- Tag 20: Die rote Tür. Finde eine und fotografiere sie von der Straße aus.
- Tag 21: Dem Wasser folgen. Einem Bach, Kanal oder Fluss zwei bis drei Kilometer weit. Flussaufwärts ist es meist ruhiger.
Woche 4: weiter raus
- Tag 22: Jemanden mitnehmen. Sechstausend Schritte zu zweit. Die letzten tausend merkt man nicht.
- Tag 23: Eine Jahreszahl in Stein. Eingemeißelt oder gegossen. Such die älteste in deiner Gegend.
- Tag 24: Bergauf. Ein Kilometer mit ordentlich Steigung. Such dir die Richtung, die anstrengender aussieht.
- Tag 25: Ein Laden, den du nie betreten hast. Kauf dort eine Kleinigkeit, oder frag einfach, was es gibt.
- Tag 26: Die blaue Stunde. Die vierzig Minuten nach Sonnenuntergang, in denen alles blau wird. Einmal um den Block.
- Tag 27: Etwas, das nirgendwohin führt. Eine Treppe, eine Tür, ein Weg, der ins Leere geht. Städte sind voll von Resten aus Gebäuden, die es nicht mehr gibt.
- Tag 28: Ein halber Tag auf den Beinen. Markt, Stadt, Wald, egal was, Hauptsache gehend statt sitzend. Grob dreizehntausend Schritte.
Die letzten zwei Tage
- Tag 29: Dieselbe Runde wie an Tag 1, zehn Minuten länger. Du merkst, wie klein sie war.
- Tag 30: Zehntausend Schritte. An einem Tag. Vor dreißig Tagen wäre das ein Vorhaben gewesen. Heute ist es ein Sonntag.
Was nach Tag 30 kommt
Die meisten Challenges enden mit einem Foto und einem Loch. Darum zwei Vorschläge. Erstens: Schreib dir an Tag 30 auf, welche drei Aufgaben du am liebsten gemacht hast. Das sind deine Gewohnheiten, der Rest war Material. Zweitens: Mach aus den dreißig Tagen keine sechzig, sondern eine kleinste Dosis ohne Enddatum, zehn Minuten, einmal um den Block, mehr nicht. Eine Challenge ist der Anfang, nicht die Form.
Und wer nach dreißig Tagen merkt, dass es ohne Liste nicht geht: RLQuest ist die Liste, die nicht aufhört. Jeden Morgen drei bis zehn Quests aus über 2700, von fünf Minuten bis zu einer halben Stunde, nach Wetter, Jahreszeit und Tageszeit ausgesucht, mit Serien, Erfolgen und einer Karte, die sich in Waben füllt. Die App prüft Schritte, Weg, Foto und Uhrzeit, und wo sie nichts prüfen kann, sagt sie das. Die dreißig Tage oben brauchen sie nicht. Tag einunddreißig vielleicht.