Spaziergang mit Kindern: wie die Runde interessant wird

Das Wort ist das Problem. Kaum ein Kind will spazieren gehen, weil Spazierengehen aus Kindersicht bedeutet: neben Erwachsenen herlaufen, die reden, in einem Tempo, das weder Rennen noch Stehenbleiben erlaubt. Dieselben Kinder laufen auf einem Spielplatz zwei Stunden ohne Pause. Der Unterschied ist nicht die Strecke, sondern die Aufgabe.

Auf dieser Seite stehen Aufgaben, die aus einem Spaziergang etwas anderes machen: ein Suchspiel, eine Expedition, einen Wettbewerb um den längsten Schatten. Viele davon stammen aus der Quest-Bibliothek von RLQuest, hier in Worte gefasst für Eltern, die heute Nachmittag raus wollen.

Drei Regeln, bevor es losgeht

Erstens: Das Kind bestimmt das Tempo. Wer mit einem Fünfjährigen zügig gehen will, hat nach zehn Minuten einen Streit und keinen Spaziergang. Rechne für einen Kilometer eine Dreiviertelstunde, Stehenbleiben eingeschlossen. Zweitens: Ein Ziel, das das Kind versteht. Eine Runde ist kein Ziel, der Baum mit dem Loch schon. Drittens: Nimm nichts mit, was Programm macht. Kein Tablet, kein Hörspiel. Die Gegend ist das Programm, sie braucht nur zwei Minuten, bis sie anläuft.

Das Kind führt

  1. An jeder Kreuzung entscheidet das Kind. Du gehst mit, ohne Nein zu sagen und ohne umzukehren. Nach einer halben Stunde seid ihr irgendwo, wo du allein nie hingegangen wärst. Für den Rückweg darfst du wieder übernehmen.
  2. Eine halbe Stunde dorthin, wo es hinwill. Nicht nur an Kreuzungen, sondern grundsätzlich: Das Kind sagt, wohin, du folgst. Umwege sind kein Fehler, sie sind das Programm.
  3. Das Kind plant den Nachmittag. Du hältst dich an den Plan, auch an die komischen Teile. Eis vor dem Abendessen inklusive, heute.
  4. Dreimal Warum, ehrlich. Beantworte die Warum-Fragen unterwegs dreimal hintereinander, ohne „Darum“ zu sagen. „Ich weiß es nicht, lass uns nachsehen“ ist eine Antwort, und oft die beste.

Suchaufgaben für unterwegs

Ein Kind, das etwas sucht, geht von allein. Eine Aufgabe pro Spaziergang reicht, sonst wird es eine Checkliste.

  1. Ein Tier, das kein Vogel ist. Hund an der Leine zählt, Katze auf der Fensterbank zählt, Schnecke am Zaun zählt doppelt. Vögel sind zu einfach.
  2. Ein Schild ohne ein einziges Wort. Es muss trotzdem klar sein, was es meint. Wenn ihr überlegen musstet, zählt es nicht.
  3. Die rote Tür. Jede Gegend hat eine, und die meisten Kinder wissen sofort, wo. Von der Straße aus ansehen reicht.
  4. Fundstücke in einer Reihe. Kastanien, Federn, ein besonderer Stein: alles, was am Weg liegt, am Ende in eine Reihe gelegt und angeschaut. Danach kommt es zurück, wo es war.
  5. Ein Wort für heute. Das Kind sucht sich vor dem Losgehen ein Wort aus, etwa Bus oder Hund, und zählt, wie oft es unterwegs vorkommt, gelesen oder gesehen. Mittlere Wörter sind am besten. Nicht „und“.
  6. Das Merkwürdigste. Jeder darf am Ende sagen, was das merkwürdigste Ding des Spaziergangs war. Es gibt immer eins. Wer das merkwürdigere gefunden hat, gewinnt.

Spiele, die nichts brauchen

  1. Wessen Schatten ist länger? Am späten Nachmittag, wenn die Sonne tief steht. Kinder gewinnen das selten und wollen es trotzdem jedes Mal.
  2. Eine Geschichte, genau so lang wie der Weg. Du fängst an, das Kind erzählt weiter. Die Geschichte muss genau am Ziel enden. Wenn sie früher fertig ist, wird weitererfunden.
  3. Der Schneckenkilometer. Ein Kilometer in fünfundvierzig Minuten, nicht schneller. Wer früher ankommt, hat verloren. Für Kinder ist das die leichteste Aufgabe der Welt, für Eltern die schwerste.
  4. Was Erwachsene erst spät sehen. Zeig dem Kind etwas, das du selbst erst als Erwachsener bemerkt hast: die Jahreszahl am Haus, das Moos auf der Nordseite, die Wetterfahne auf dem Dach. Und frag, was es sieht, das du nicht siehst.

Nach Alter

AlterWas funktioniertWas nicht
3 bis 5Suchaufgaben mit einer Sache: etwas Rotes, ein Hund, eine Pfütze zum Hineinspringen. Ziel in Sichtweite.Mehr als eine Aufgabe. Jede Strecke über einen Kilometer ohne Pause.
6 bis 9Das Kind führt, Wörter zählen, Fundstücke sammeln, der längste Schatten. Ein Ziel, das es noch nicht kennt.Erklärungen, die länger als zwei Sätze dauern. „Gleich sind wir da“, wenn es nicht stimmt.
10 bis 13Selbst Karte lesen, ein Ziel heraussuchen, ein Fotoauftrag mit dem eigenen Handy, der Vergleich mit gestern.Alles, was nach Kinderprogramm klingt. Ab zehn ist ein Spaziergang eine Expedition oder gar nichts.

Wenn das Kind trotzdem nicht will

Dann hat es meistens recht: Die Runde war wirklich langweilig, oder es ist der falsche Zeitpunkt. Versuch es mit der Stunde vor dem Schlafen, im Sommer zwischen acht und neun, Schlafanzug mit Jacke drüber, einmal um den Block. Dieselbe Straße ist um diese Zeit ein anderer Ort, und was als Ausnahme anfängt, wird gern zum Ritual. Oder dreh die Rollen um und lass dir von dem Kind zeigen, was es auf dem Schulweg jeden Tag sieht. Es sieht mehr, als du denkst, und es erzählt gern.

Was RLQuest damit zu tun hat

RLQuest legt jeden Morgen drei bis zehn Quests vor: Streckenquests, Fotoquests, Aufgaben, die an eine Uhrzeit oder einen Ort gebunden sind. Viele der Ideen oben sind solche Quests. Für Eltern ist eine Sache wichtig: Jede Quest trägt eine Altersgrenze, eine Risikostufe und eine Angabe, ob sie nachts erlaubt ist. Kinder bekommen nie eine riskante Quest, und die App sagt, was sie prüfen kann und was nicht.

Dazu kommt eine ganze Reihe Quests, die ausdrücklich zu zweit gedacht sind: jemanden mitnehmen, sich führen lassen, zusammen eine Wabe auf der Karte aufdecken, das Tempo von der langsamsten Person bestimmen lassen. Wer mit Kind unterwegs ist, hat damit jeden Morgen eine Aufgabe, die er sich nicht selbst ausdenken muss.

Morgen eine Aufgabe für den Weg

RLQuest gibt es kostenlos für iPhone und Android. Zeit einstellen, und morgen früh liegen die ersten Quests bereit.

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