Schnitzeljagd für Erwachsene: Aufgaben, mit denen du heute Nachmittag losgehen kannst

Die klassische Schnitzeljagd braucht jemanden, der vorher Zettel versteckt. Das ist der Grund, warum Erwachsene sie fast nur noch zu Geburtstagen spielen. Es geht aber auch ohne Vorbereitung: Statt versteckter Hinweise bekommst du eine Liste mit Dingen, die es in jeder Stadt gibt, aber niemand sieht. Finden, fotografieren, abhaken.

Hier stehen zwei fertige Listen, eine für die Stadt und eine für Wald und Feld, dazu eine Variante mit Rätseln, ein Punktesystem und Regeln für zwei Spieler. Die Aufgaben sind Fotoquests aus RLQuest, hier als Schnitzeljagd umgebaut. Du brauchst ein Handy mit Kamera und zwei Stunden.

Drei Regeln, die eine Schnitzeljagd für Erwachsene brauchbar machen

Erstens: Finden statt Verstecken. Die Aufgaben beschreiben Dinge, die schon da sind, und das Spiel ist, sie zu bemerken. Zweitens: Das Foto ist der Beweis. Ein Bild pro Aufgabe, so eng, dass man das Gesuchte erkennt. Drittens: Zeit statt Ziel. Nach zwei Stunden wird gezählt, egal wie viele Aufgaben offen sind. Eine Liste, die man fertig bekommt, war zu kurz.

Liste 1: Die Stadt (15 Aufgaben)

  1. Ein Kanaldeckel mit Gießereinamen. Schau nach unten. Viele Deckel tragen den Namen einer Firma, die niemand mehr kennt, in Eisen gegossen.
  2. Ein Prellstein. Der schräge Eckstein, der eine Hausecke vor Fuhrwerken schützte. Ein Überbleibsel aus der Zeit der Pferde, meist an Toreinfahrten.
  3. Ein Anbindering. Ein eiserner Ring in einer Wand, an dem früher Pferde festgemacht wurden. An alten Gasthöfen und Höfen, oft übermalt.
  4. Verblasste Reklame. Eine gemalte Ladenwerbung an einer Wand, für einen Laden, den es seit Jahrzehnten nicht mehr gibt.
  5. Ein zugemauertes Fenster. Der Rahmen oder Sturz ist noch zu sehen, die Öffnung nicht mehr. Dahinter war einmal ein Zimmer.
  6. Eine ausgetretene Stufe. Eine Steinstufe, die in der Mitte ausgehöhlt ist. Das dauert Jahrhunderte, also Kirchen, Rathäuser, alte Treppenhäuser.
  7. Eine Wetterfahne. Auf einem Dach. Zoom hilft, Geduld auch. Über der ersten Etage kennt niemand seine Stadt.
  8. Eine Sonnenuhr. An einer Wand oder auf einem Sockel. Alte Kirchen, Schulen, Gärten.
  9. Die engste Gasse. Eine, in der du beide Wände gleichzeitig berühren kannst. Fast jeder alte Ort hat eine.
  10. Eine öffentliche Uhr. An einem Gebäude oder Pfosten. Bonusfrage: Geht sie richtig?
  11. Ein Briefschlitz in der Mauer. Ein alter Briefeinwurf direkt in der Wand. Manche sind zugeklebt, die zählen trotzdem.
  12. Ein Straßenschild in alter Schrift. Manche Städte haben zwei Generationen Schilder nebeneinander. Die alte Schrift ist die Aufgabe.
  13. Der fehlende Buchstabe. Ein Ladenname, dem ein Buchstabe fehlt, als Lücke oder als heller Umriss. Lies das Wort laut, so wie es jetzt dasteht.
  14. Wo das Schild hing. Ein helleres oder dunkleres Rechteck an einer Wand. Das Schild ist weg, die Wand hat sich die Form gemerkt.
  15. Eine Schiene, die nirgendwohin führt. Eine Straßenbahnschiene im Asphalt, auf der nichts mehr fährt. Vom Gehweg aus fotografieren, nicht von der Straße.

Liste 2: Wald und Feld (12 Aufgaben)

  1. Ein markierter Baum. Mit Nummer oder Farbmarkierung am Stamm. Forstwege sind voll davon, und jede Farbe bedeutet etwas.
  2. Löcher vom Specht. In einem toten oder kranken Stamm, oft in einer sauberen Reihe untereinander. Zoomen statt klettern.
  3. Moos nur auf einer Seite. An einem Stamm, Pfosten oder einer Mauer. Einmal drumherum gehen, um sicher zu sein.
  4. Vom Baum verschluckt. Ein Stamm, der um einen Zaun, einen Draht oder ein Schild herumgewachsen ist. Alte Zaunlinien durch Wälder.
  5. Sägespuren. Ein Baumstumpf mit sichtbarer Schnittfläche. Sie verrät, mit welchem Werkzeug.
  6. Ein Zauntritt. Holzstufen über einen Weidezaun oder ein kleines Drehgatter: für Wanderer gemacht, für Vieh nicht.
  7. Ein Grenzstein. Alt, behauen, oft mit Buchstaben oder Wappen. Feldraine, Waldwege, Gemarkungsgrenzen.
  8. Eine Wegmarke. Ein Wanderzeichen an Baum oder Pfosten. Folg ihr etwas weiter als geplant.
  9. Eine Schutzhütte. Jemand hat sie für Fremde gebaut. Von außen fotografieren, drinnen kurz sitzen.
  10. Ein hohler Baum. Mit sichtbarer Höhlung. Nicht hineingreifen, da wohnt jemand.
  11. Wo der Mäher nicht hinkam. Ein Streifen hohes Gras an einem Zaun oder Pfosten neben frisch gemähter Wiese.
  12. Ein Wegweiser mit mehr als drei Armen. An Wanderkreuzungen und Dorfplätzen. Der mit den meisten Richtungen gewinnt.

Rätsel statt Liste

Wer die Listen zu direkt findet, nimmt Rätsel: keine Beschreibung des Dings, sondern eine Umschreibung. Erst verstehen, was gemeint ist, dann hingehen. Beispiele, die fast überall funktionieren:

  1. Älter als alles hier. In deiner Nähe steht etwas, das älter ist als jedes Haus ringsum. Geh hin und fotografiere es. Die Jahreszahl im Stein ist der Beweis.
  2. Für die Stille gebaut. Irgendwo in Gehweite steht ein Gebäude, das für die Stille gemacht wurde. Du musst nicht hinein, um es zu fotografieren.
  3. Es drehte sich einmal. Etwas, das sich einmal den ganzen Tag drehte. Vielleicht dreht es sich nicht mehr, es zählt trotzdem.
  4. Gebaut, um gesehen zu werden. Etwas, das jemand aufgestellt hat, damit man es von weit her sieht. Je nach Gegend ein Turm, ein Mast, ein Leuchtfeuer.
  5. Wo das Wasser Stufen nimmt. Ein Ort, an dem Wasser absichtlich eine Stufe hinuntergeht. Wenn gerade ein Schiff drin liegt, lohnt sich der Weg doppelt.

Punkte

Nicht jede Aufgabe ist gleich viel wert. Eine Wetterfahne findet jeder in zehn Minuten, einen Anbindering nicht. Eine einfache Staffelung reicht:

StufeBeispielePunkte
GewöhnlichKanaldeckel, Wetterfahne, markierter Baum1
UngewöhnlichPrellstein, Briefschlitz, Zauntritt, Sägespuren3
SeltenAnbindering, Sonnenuhr, Spechtlöcher, Grenzstein5
LegendärEin Rätsel gelöst und das Ding gefunden10

Zu zweit

Zu zweit gibt es zwei Arten zu spielen. Gegeneinander: Beide bekommen dieselbe Liste, laufen in verschiedene Richtungen los und treffen sich nach zwei Stunden. Bei Gleichstand entscheidet das beste Foto, und darüber streitet man beim Essen. Zusammen: Ihr geht dieselbe Strecke, aber jede Aufgabe darf nur eine Person fotografieren, abwechselnd. Wer nicht dran ist, darf nichts sagen, wenn er etwas sieht. Das ist schwerer, als es klingt.

Allein geht es gegen die Uhr oder gegen die eigene Liste von letzter Woche.

Eine eigene Schnitzeljagd gestalten

Eine gute Aufgabe hat drei Teile: ein Ding, das es gibt, ein Merkmal, das man übersieht, und einen Hinweis, wo man suchen soll. Nicht die Bank, sondern die Bank mit der fehlenden Latte. Nicht die Hausnummer, sondern die Zahl, die in eine Glasscheibe über einer Ladentür gesetzt ist. Je genauer das Merkmal, desto mehr Suchen steckt drin. Zwölf bis fünfzehn Aufgaben reichen für zwei Stunden. Schreib sie am Abend vorher und geh die Liste nicht vorab selbst ab.

Was nicht auf die Liste gehört: Privatgrund, Baustellen, Gleise, alles, wofür man klettern oder über einen Zaun müsste. Eine Schnitzeljagd findet auf dem Gehweg statt.

Die tägliche Variante

RLQuest ist im Grunde eine Schnitzeljagd ohne Ende. Jeden Morgen liegen drei bis zehn Quests bereit, aus einer Bibliothek von über 2700, ausgesucht nach Wetter, Jahreszeit, Tageszeit und deinen Interessen. Bei einer Fotoquest prüft die App das Bild und verwirft es danach; wer eine rote Tür einreichen soll und eine blaue fotografiert, bekommt ein Nein. Seltenheiten von gewöhnlich bis legendär, XP, 213 Erfolge in 69 Reihen und eine Karte in Waben, die sich mit jedem Weg füllt, machen daraus ein Spiel, das nicht nach zwei Stunden endet.

Die Listen oben gehören dir, mit oder ohne App. Was die App dazugibt, ist der Schiedsrichter, der jeden Tag eine neue Liste schreibt und hinterher nachsieht.

Jeden Morgen eine neue Liste

RLQuest gibt es kostenlos für iPhone und Android. Interessen wählen, Zeit einstellen, und morgen früh liegt die erste Schnitzeljagd in der App.

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